Projekttagung „Hochschulkarriere – Eine Frage des Vertrauens?“

„Hochschulkarriere – Eine Frage des Vertrauens?“ – Der Einfluss von Vertrauen auf die Karrieren von Wissenschaftsnachwuchs stand
am 11. März 2016 im Fokus der Fach- und Transfertagung des Projektes „Vertrauen und Wissenschaftlicher Nachwuchs“ (VWiN).

Interessierte aus Hochschulpolitik, Wissenschaft und Nachwuchsförderung versammelten sich im Bochumer Beckmannshof um neben Gastvorträgen von hochkarätigen Expertinnen und Experten ausgewählte Ergebnisse aus den Teilprojekten „Organisation von Vertrauen“ (Bochum) und „Erleben von Vertrauen“ (Köln) zu hören.

 

 

Insgesamt über 60 Gäste diskutierten die fördernden und hemmenden Aspekte von Vertrauen für professorale Anwärter. Dabei zeigte das VWiN-Projektteam auf, inwiefern die Organisation Universität vertrauensvolle Strukturen in der Nachwuchsförderung etablieren kann. Professor Heiner Minssen, Projektleiter des Bochumer Teilprojektes, führte durch die Veranstaltung.

Zunächst begrüßte Prof. Dr. Axel Schölmerich, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, die Gäste und führte in das Thema Wissenschaftliche Karrieren ein. Kritisch hinterfragte er vor allem die Tatsache, dass in Deutschland eine akademische Karriere meistens mit einer Professur einhergeht und es im Vergleich zu anderen Ländern kaum Optionen gibt, langfristig im Mittelbau beschäftigt zu sein.

  • 65.jpg
  • DSCN2814.JPG
  • 46.jpg
  • 57.jpg
  • 61.jpg
  • DSCN2813.JPG
  • 53.jpg
  • 43.jpg
  • 27.jpg
  • 36.jpg
  • 29.jpg
  • 70.jpg
  • 56.jpg
  • 71.jpg
  • 35.jpg
  • 14.jpg
  • 10.jpg
  • 6.jpg
  • 23.jpg
  • 76.jpg
  • 54.jpg
  • 9.jpg
  • 34.jpg
  • 69.jpg
  • 16.jpg
  • 81.jpg
  • 68.jpg
  • 41.jpg
  • 82.jpg
  • 80.jpg
  • 72.jpg
  • 77.jpg
  • 7.jpg
  • 37.jpg
  • 25.jpg
  • 79.jpg
  • 33.jpg
  • 63.jpg
  • 17.jpg
  • 24.jpg
  • 12.jpg
  • 30.jpg
  • 44.jpg
  • 62.jpg
  • 74.jpg
  • 28.jpg
  • 48.jpg
  • 59.jpg
  • 60.jpg
  • 67.jpg
  • 38.jpg
  • 5.jpg
  • 51.jpg
  • 73.jpg
  • 58.jpg
  • 42.jpg
  • 31.jpg
  • 19.jpg
  • 21.jpg
  • 49.jpg
  • 78.jpg
  • 64.jpg
  • 52.jpg
  • 75.jpg
  • 66.jpg
  • 13.jpg
  • 47.jpg
  • 40.jpg
  • DSCN2801.JPG
  • 18.jpg
  • 45.jpg
  • 8.jpg
  • 3.jpg
  • 2.jpg
  • 39.jpg
  • 11.jpg
  • 22.jpg
  • 1.jpg
  • 15.jpg
  • 4.jpg
  • 32.jpg
  • 20.jpg
  • 55.jpg
  • 26.jpg
  • 50.jpg

 Bildergalerie 

     

Begrüßung durch Prof. Dr. Axel Schölmerich

      

„Die Promotion ist noch immer die beste Arbeitslosenversicherung“

In ihrer Keynote ordnete Dr. Beate Scholz, selbst u.a. Strategie- und Karriereberaterin für Wissenschaftsnachwuchs und Mitglied des internationalen Forschungsnetzwerks CIRGE, Karrieren in der Wissenschaft in ihren historischen Verlauf und internationale Politikstrategie ein.

Nach einer Einführung über die Entwicklung von Wissenschaftskarrieren im Zeitverlauf der letzten Jahrzehnte stellte sie Ergebnisse aus der globalen Pilotstudie der European Science Foundation vor. Dabei hob Scholz die ausgeprägte, räumliche und virtuelle Mobilität von Nachwuchswissenschaftler_innen bis zur Phase der Familiengründung als einen zentralen Befund hervor – im Kontrast zur geringen intersektoralen Mobilität zwischen Hochschule und Privatwirtschaft. Besonders im Hinblick auf die zukünftige Arbeitsmarktsituation sei dies problematisch, sollte die Nachfrage von Unternehmen an Akademiker fortwährend steigen – auch für die Hochschulen, denen durch sektorenübergreifend tätigen Nachwuchs Innovationspotenzial entgehe.

Kritik äußerte Scholz am Rückgang der Grundfinanzierung deutscher Universitäten in Verbindung mit der gestiegenen Drittmittelorientierung, die hemmende Folgen für die Postdoc-Phase mit sich bringe. Hierbei handele es sich um eine Art der Ökonomisierung ohne echte „unternehmerische“ Freiheit für den Nachwuchs. Dennoch gelte eine abgeschlossene Promotion weiterhin als „beste Arbeitslosenversicherung“, so Scholz.

 

 

 

Key-Note-Speakerin Dr. Beate Scholz
und Prof. Dr. Heiner Minssen

 

   

Unterschiede im Vertrauensverhältnis zu Organisationen und Vorgesetzten

Im Mittelpunkt des Vortrags von Wirtschaftswissenschaftler und Vertrauensforscher Professor Guido Möllering von der Jacobs University Bremen stand die theoretische Annäherung an das Phänomen Vertrauen in Organisationen. So sei es für Vertrauensverhältnisse grundlegend, Verantwortung zu übernehmen und abzugeben. Unter Bedingungen von Verwundbarkeit und Ungewissheit sei Vertrauen unerlässlich; Transparenz zeige, dass Verantwortung ausgeübt werde.

Vor diesem phänomenologischen Hintergrund verortete Möllering personale Verantwortung in der Organisation Hochschule. Dabei handelt es sich um ein Forschungsdesiderat, sodass er Erkenntnisse aus Studien im außeruniversitären Kontext heranzog und deren Potentiale und Grenzen für den Transfer auf den Kontext Hochschule analysierte.

Vor allem das bedeutsame Vertrauensverhältnis zu der direkten Führungskraft im Gegensatz zu dem weniger relevanten Vertrauensverhältnis zu der Organisation hob er dabei besonders hervor. Übertragen auf die Hochschulen verweise dies auf die zentrale Bedeutung der Lehrstuhlinhaber für Wissenschaftsnachwuchs und dessen Vertrauen in eine Chance auf die Karriere in der Wissenschaft.

  

„Die Organisation Hochschule: Transparenz und/oder Vertrauen?“
Prof. Dr. Guido Möllering

 

    

Vertrauen in wissenschaftliche Publikationen sinkt

Der renommierte Organisationstheoretiker Professor Alfred Kieser ging anschließend auf die Konsequenzen des steigenden Publikationsdrucks in der akademischen Landschaft ein. Dabei zeigte er den zweifelhaften Einfluss von Impactfactors und Zeitschriftenrankings auf das Publikationsverhalten und die Forschungsinhalte auf.

So steige in vielen Disziplinen die Anzahl von Retractions, also der Rücknahme von Publikationen aufgrund von Fälschungen, in den letzten zehn Jahren rapide an. Dies untergrabe massiv Vertrauen, sowohl in die Wissenschaft als auch innerhalb der wissenschaftlichen Community, so Kieser. Als eine mögliche Alternative stellte er das Konzept des Post Publication Rankings vor, das unterschiedliche Methoden einer öffentlichen und damit deutlich breiteren Auseinandersetzung mit publizierten Texten beinhaltet.

  

„Erleben von Vertrauen in der akademischen Karriere: Rückblick auf eine Laufbahn“ - Prof. Dr. em. Alfred Kieser

 

    

Professoren als Vertrauensgeber und Gatekeeper

Den drei Beiträgen der Expertinnen und Experten folgte die Präsentation der VWiN-Projektergebnisse.

Den Anfang machte Oliver Berli, Mitarbeiter im Kölner Teilprojekt, indem er auf zentrale Befunde zum Erleben von Vertrauen durch den Wissenschaftsnachwuchs einging. Vor allem die Doppelfunktion von betreuenden Professoren stellte er als relevant vor: Professoren seien sowohl Vertrauensgeber für den Wissenschaftlichen Nachwuchs als auch Gatekeeper, insofern sie den Zugang zum Wissenschaftsfeld und einer eigenen, wissenschaftlichen Laufbahn überhaupt erst ermöglichen.

Aus vertrauensanalytischer Perspektive sei das  Betreuungsverhältnis von Wechselseitigkeit geprägt: Sowohl Betreuer als auch Betreute stellte Berli als Vertrauensgeber und Vertrauensnehmer heraus. Zunächst könne ein interpersonales Vertrauen identifiziert werden, das die Grundlage für potentiell erwachsendes Systemvertrauen darstelle.

  

„Erleben von Vertrauen“, Teilprojekt Universität zu Köln
Dr. Oliver Berli

 

    

Spannungsverhältnis zwischen klassischer Betreuung  und institutionalisierter Nachwuchsförderung

Dass Professoren bei der Vertrauensgenerierung von Wissenschaftsnachwuchs in seine Karriere auch auf der Strukturebene von Universität eine zentrale Rolle spielen, betonte auch Caroline Richter.

In ihrem Vortrag zu den Ergebnissen über die „Organisation von Vertrauen“ (Teilprojekt Bochum), stand der Einfluss von Instrumenten der institutionalisierten Nachwuchsförderung im Mittelpunkt. Die institutionalisierte Nachwuchsförderung, zu der beispielsweise externe Forschungsförderung oder Karriereberatung zählt, sei innerhalb der Expertenorganisation Universität im Vergleich zu Professoren durch geringere Deutungs- und Handlungsspielräume gekennzeichnet. Kooperationen zwischen ihr und Professoren seien daher sowohl vertrauensförderlich als auch vertrauensschädigend – vor allem, wenn die klassisch-dyadische Betreuungssituation hinterfragt und reflektiert werde. Wissenschaftlicher Nachwuchs gerate dann „zwischen die Stühle“, was sein Vertrauen potentiell erosionsanfällig werden lasse. Institutionalisierte Nachwuchsförderung könne aber ebenso als Vertrauensgenerator für Nachwuchs fungieren, indem sie Räume der Reflexion und Kommunikation ermögliche und dabei ihre eigene Verortung in der Personal- und Organisationsentwicklung weiterentwickle.

  

„Organisation von Vertrauen“, Teilprojekt Ruhr-Universität Bochum
Caroline Richter, M.A.

 

    

Podiumsdiskussion: Karriere in der Wissenschaft

Zum Abschluss der Tagung fanden sich die Expertinnen und Experten gemeinsam  mit den VWiN-Projektleitern und ergänzt durch Professor Heike Kahlert, Wissenschafts- und Geschlechterforscherin an der Ruhr-Universität Bochum, und Dr. Roland Bloch, Wissenschafts- und Eliteforscher an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg zu einer Podiumsdiskussion zusammen, in der wichtige Punkte nochmals aufgriffen und vertieft wurden. Dabei gehörten u.a. die Bedeutung der Variable Geschlecht, die Bedeutung von Vertrauen in stromlinienförmigen oder brüchigen Werdegängen und die Absurdität des Nachwuchs- und des Karrierebegriffs in der Wissenschaft zu den diskutierten Aspekten.

Wie die angeregte Diskussion auf und mit dem Podium zeigte, ist die Frage nach Vertrauen im Kontext von Wissenschaftskarrieren die richtige Frage zur richtigen Zeit. Es bleibt zu hoffen, dass die zukünftige Forschung sich dem Thema annehmen und für die Praxis der Hochschulentwicklung weitere Impulse und Instruktionen bieten wird.

  

„(Wie) Kann Vertrauen institutionell geschaffen werden?“
Podiumsdiskussion

Hier geht es zum Tagungsprogramm.

Die Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum zur Veranstaltung finden Sie unter: http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2016/pm00029.html.de.  

 

Tagungsleitung

Prof. Dr. Heiner Minssen
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Arbeitswissenschaft
Lehrstuhl für Arbeitsorganisation
und Arbeitsgestaltung

In Kooperation mit der Universität zu Köln

Prof. Dr. Julia Reuter
Universität zu Köln
Humanwissenschaftliche Fakultät
Professur für Erziehungs- und Kultursoziologie
 

Veranstaltungsorganisation und Ansprechpartnerin

Christina Reul, M. A.
Tel: 0234 32-27733